Eine Ritterin, fünf Ritter, ein Zug nach Mönchengladbach und ein Auftritt im Stadion der Weltmeister. Beim DHB-Elternhockey-Festival 2026 sammelten die Friday Knights fünf Unentschieden, viele neue Geschichten und vor allem jede Menge Unterstützung. Andere Mannschaften reisen mit voller Ersatzbank und ausgefeilter Taktik an. Die Friday Knights vom NHTC kamen mit einer Ritterin, fünf Rittern und einem Selbstvertrauen, das mit der Größe des Kaders nur bedingt korrelierte. Das Ziel: das fünfte DHB-Elternhockey-Festival vom 25. bis 27. September 2026 in Mönchengladbach. 52 Mannschaften aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden waren dabei. Die Nürnberger wollten natürlich ordentlich abschneiden. So weit der Plan. Was folgte, war ein Wochenende mit legendärer Kulisse, ungewöhnlichen Verbündeten und einer Statistik, die selbst erfahrene Mathematiker zweimal lesen müssen: sechs Spiele, fünf Unentschieden, eine Niederlage. Tabellenfünfter – allerdings nur in der Siebenergruppe. In der Gesamtbetrachtung aller Mannschaften war nach oben noch deutlich Luft. Aber der Reihe nach.
Kapitel 1: Operation Niederrhein – sechs Ritter auf großer Fahrt
Die gesamte Friday-Knights-Delegation hätte vermutlich an einen einzigen Tisch im Bordrestaurant gepasst. Mit Zug, Hockeyschlägern, Sporttaschen und allerlei Gepäck ging es Richtung Mönchengladbach. Ob unterwegs Taktiken besprochen oder Verpflegungsstationen gesucht wurden, ist nicht überliefert. Fest stand: Sechs eigene Spielerinnen und Spieler sind für ein mehrtägiges Hockeyfestival nicht gerade eine komfortable Besetzung. Von einer Wechselbank konnte keine Rede sein. Die Personalabteilung der Friday Knights hatte folglich ein Problem. Glücklicherweise hatten die Ritter etwas, das im Elternhockey mindestens so wichtig ist wie ein großer Kader: Freunde. Zunächst musste die Ankunft dokumentiert werden: Während andere Gäste nach dem WLAN fragen, ging es den Friday Knights um territoriale Repräsentation. Die große rotweiße NHTC-Fahne wurde im Hotelzimmer aufgehängt – offenbar unter tatkräftiger Mithilfe zweier Wasserflaschen als improvisierte Befestigungstechnik. So verwandelte sich ein gewöhnliches Zimmer in die fränkische Außenstelle des Nürnberger Hockey- und TennisClubs. Ob die Hotelleitung über die vorübergehende Gebietsbeanspruchung informiert wurde, bleibt offen. Die Fahne jedenfalls hing. Mission eins: erfolgreich abgeschlossen.
Kapitel 2: Im Stadion der Weltmeister
Der HockeyPark in Mönchengladbach ist kein gewöhnlicher Sportplatz. Hier gewann die deutsche Herren-Nationalmannschaft 2006 nach einem zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand das WM-Finale gegen Australien mit 4:3. Zwanzig Jahre später betraten die Friday Knights dieselbe traditionsreiche Anlage. Damals: Nationalspieler, Weltmeisterschaft, internationale Spitzenklasse. Heute: Elternhockey, viele bekannte Gesichter und sechs Nürnberger, denen es vor allem an einer eigenen Ersatzbank fehlte. Aber immerhin: derselbe geschichtsträchtige Boden! Auf vier Kleinfeldern wurde gespielt, daneben bot das Festival Minispiele, Begegnungen, Gespräche und natürlich die Players Party. Hier ging es um mehr als Punkte. Wobei Punkte selbstverständlich trotzdem willkommen gewesen wären. Die Nationalmannschaft von 2006 beherrschte die Kunst, einen Rückstand in einen Weltmeistertitel zu verwandeln. Die Friday Knights entwickelten eine eigene Spezialdisziplin: Spiele weder zu gewinnen noch zu verlieren. Und darin erreichten sie an diesem Wochenende bemerkenswerte Konstanz.
Kapitel 3: Die fränkisch-rheinische Allianz – Hilfe, die wirklich zählt
Die entscheidende Verstärkung kam aus Nürnberg und Düsseldorf. Die Krummhölzer der Hockey Gesellschaft Nürnberg (HGN) und die Silver Rockets aus Düsseldorf sprangen ein und unterstützten die personell dezimierten Friday Knights mit Spielerinnen und Spielern. Ohne diese Hilfe wäre ein kompletter Turnierbetrieb für die kleine Rittertruppe kaum zu bewältigen gewesen. Besonders die HGN verdient ein riesiges Dankeschön. Obwohl die Krummhölzer selbst eine Mannschaft stellten, halfen sie den Friday Knights – unkompliziert, großzügig und mit einem Teamgeist, der jeden Tabellenplatz in den Schatten stellt. Die Nürnberger Elternhockeyfamilie funktioniert vereinsübergreifend. Vielleicht sollte man das offiziell als fränkische Hockey-Verteidigungsgemeinschaft bezeichnen. Auch die Silver Rockets aus Düsseldorf waren großartige Verbündete. Besonders kurios: Silver Rockets 2 spielte sogar in derselben Gruppe wie die Friday Knights. Auf dem Platz Konkurrenten, daneben Freunde und Unterstützer. Im Profisport müsste man diese Konstellation vermutlich erst einmal juristisch prüfen lassen. Beim Elternhockey genügt ein Wort: Zusammenhalt. Liebe Krummhölzer, liebe Silver Rockets: Eure Unterstützung war überragend! Ihr habt nicht nur ausgeholfen, sondern entscheidend dazu beigetragen, dass aus sechs Reisenden eine spielfähige Mannschaft wurde. Genau solche Begegnungen machen dieses Festival besonders.
Kapitel 4: Die große Remis-Offensive – fünfmal nicht verloren
Und sportlich? Die Friday Knights vollbrachten das Kunststück, in sechs Gruppenspielen fünfmal ungeschlagen zu bleiben und trotzdem keinen einzigen Sieg zu holen. Gegen Silver Rockets 2, Cheval Blanc, Spontis 2, die Würmtaler und die Mainhoppers gab es jeweils ein Unentschieden. Offenbar hatten sich die Ritter vorgenommen, den Gedanken sportlicher Gleichberechtigung möglichst konsequent umzusetzen: Jeder sollte etwas vom Wochenende haben. Auch die Gegner. Nur gegen die Zetti Wespen gab es eine Niederlage. Die Berliner gewannen ihre sechs Gruppenspiele mit 18 Punkten und plus 17 Toren; auch in der Festivalwertung lagen sie vorne. Wenn man schon verliert, dann wenigstens gegen eine Mannschaft, die hinterher als „Alleskönner*innen“ ausgezeichnet wird. Besonders bitter war eines der fünf Remis. Die Friday Knights führten, der erste Sieg schien zum Greifen nah, die drei Punkte waren gedanklich schon verbucht. Dann kam die letzte Minute. Ausgleich. 1:1. Wieder ein Unentschieden. Es gibt Augenblicke, da möchte man seinen Hockeyschläger beiseitelegen und ein ernstes Wort mit dem sportlichen Schicksal wechseln. Dieser gehörte zweifellos dazu. In Gruppe C landeten die Friday Knights mit fünf Punkten und einer Tordifferenz von minus drei auf Platz fünf von sieben. Ganz vorne standen die Zetti Wespen mit 18 Punkten; dahinter folgten Silver Rockets 2 mit sieben sowie Cheval Blanc und Spontis 2 mit jeweils sechs Punkten. Die Würmtaler hatten wie die Friday Knights fünf Punkte, die Mainhoppers vier. Nur zwei Punkte trennten die Ritter also von Platz zwei! Aus einem einzigen Remis einen Sieg gemacht, und die Geschichte hätte sich ganz anders gelesen. So blieb Platz fünf in der Gruppe – ausdrücklich nicht Platz fünf von 52 Mannschaften. Für die Gesamtbilanz brauchte es eher ein Fernglas als ein Siegerpodest.
Kapitel 5: Die wahre Bilanz – gemeinschaftlich weltmeisterlich
Man kann dieses Wochenende mit den nackten Zahlen zusammenfassen: null Siege, fünf Unentschieden, eine Niederlage. Sportlich war mehr drin, daran gibt es nichts schönzureden. Der späte Ausgleich zum 1:1 dürfte noch bei mancher Nachbesprechung auftauchen. Vielleicht wird aus der letzten Minute mit zunehmendem zeitlichen Abstand sogar die letzte Sekunde. Sportgeschichtliche Überlieferungen sind bekanntlich dynamisch. Aber die wichtigere Geschichte steht in keiner Ergebnisspalte. Sechs Friday Knights stiegen in Nürnberg in den Zug und konnten dank befreundeter Mannschaften ein großes Hockeyfestival bestreiten. Die HGN und die Silver Rockets hätten sich allein auf ihre eigenen Spiele konzentrieren können. Stattdessen halfen sie. Unkompliziert. Selbstverständlich. Und mit einer Herzlichkeit, die man nicht kaufen kann. Ein herzliches Dankeschön an HGN, Silver Rockets, den Deutschen Hockey-Bund und alle Organisatoren. 52 Mannschaften zusammenzubringen, verdient Respekt. Die Friday Knights sind ohne Pokal aus Mönchengladbach zurückgekehrt. Dafür mit einer Reisegeschichte, einer im Hotel gehissten NHTC-Fahne, fünf sehr unterschiedlichen Unentschieden und der Gewissheit, dass man für ein großes Wochenende nicht unbedingt eine große Mannschaft braucht. Manchmal reichen eine Ritterin, fünf Ritter und ein paar richtig gute Freunde. Das Abschlussurteil der Friday-Knights-Ermittlungsabteilung lautet deshalb: Sportlich ausbaufähig. Gemeinschaftlich weltmeisterlich. Oder noch kürzer: Die Friday Knights – wir können alles. Außer gewinnen. Jedenfalls an diesem Wochenende. FRIDAY KNIGHTS – NHTC! Fortsetzung folgt. Hoffentlich mit drei Punkten.







