Souveräner Klassenerhalt der 1. Herren
Nürnberger "Wundertüte" überzeugt in den letzten beiden Spielen
Rüsselsheimer RK 0:4 Nürnberger HTC
Die Vorzeichen vor dem letzten Wochenende der diesjährigen Abstiegsrunde waren klar. Mindestens zwei Punkte aus den beiden anstehenden Spielen musste das Team von Trainer Sven Lindemann auswärts gegen Rüsselsheim und Frankenthal erreichen, um aus eigener Kraft den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse zu sichern. Zwar waren sich im Vorfeld die Hockeyexperten sicher, dass Nürnberg das beste Team der Abstiegsrunde sei, doch die zurückliegende Saison verlief allzu wechselhaft, um wirklich sicher zu sein. So konnte man in diesem Jahr EHL-Gewinner UHC Hamburg gleich zweimal besiegen oder unterlag dem Kölner Gala-Team nur durch Mithilfe der Unpateiischen. Doch gegen vermeintlich schwächere Gegner wollten die zu den Play-Offs wichtigen Punkte nicht gelingen. So wurde der Ausgang des entscheidenden Wochendes mit Spannung erwartet und gut zwei Dutzend Fans machten sich auf den Weg, die Mannschaft zu unterstützen.

Und die treuen Anhänger der Mannschaft sollten schon im ersten Spiel nicht enttäuscht werden. Das Team um Kapitän Müller startete von Beginn an konzentriert in die Samstags-Partie gegen den Rüsselheimer RK. Schon nach drei Minuten zeigte U21-Keeper Reuß, dass er heute in Top-Form war indem er gleich die erste Strafecke der Gastgeber souverän entschärfte. Im Anschluss entwickelte sich bei hochsommerlichen Temperaturen ein munteres Spiel mit vielen Kreisszenen auf beiden Seiten. Doch während die Hintermannschaft der Franken um Müller und Müsgens kaum gefährliche Schüsse auf das eigene Tor zuließ, zeigte die der Hessen immer wieder Lücken, die Nürnberg bei seinen schnellen Gegenangriffen nutzte. So etwa auch in der 10. Spielminute, als ein bereits abgefangener Ball nicht schnell genug aus dem Kreis befördert wurde und schließlich Jordan im Nachschuss für die frühzeitige Führung der Franken sorgte.
Die 1:0 Führung sorgte für noch mehr Sicherheit in den Reihen Nürnbergs. Als auch die zweite Strafecke der Rüsselsheimer von Reuß gehalten wurde, wendete sich das Spiel mehr und mehr zu Gunsten Nürnbergs und die Chancen häuften sich auf Seiten der Gäste. Nachdem Woesch die zweite Strafecke Nürnbergs zum 2:0 verwandelt hatte (25'), hätten die Siedler schon vor der Pause die Führung weiter ausbauen können, so etwa als Wesley gleich zweimal den Kasten von Goalie Späck nur um Zentimeter verfehlte.
Schon eine Minute nach Wiederanpfiff sollte das 3:0 Nürnbergs folgen. Gebhard setzte sich auf der linken Seite ab und bediente den innen mitgelaufenen Tausendpfund, der frei vor Torwart Späck mit einem gekonnten Heber ins Tor verwandelte. Doch Rüsselsheim wollte die Partie noch nicht verloren geben und bäumte sich nocheinmal auf. Das Spiel verlagerte sich für etwa 10 Minuten in die Hälfte Nürnbergs - allerdings ohne Torerfolg Rüsselsheims. Im Gegenzug an die dritte Strafecke der Hessen - wieder von Keeper Reuß entschärft - zeigte Nürnberg erneut seine Konterstärke als Gebhard von der rechten Seite bedient zum 4:0 verwandeln konnte (49')
Jetzt schien der Widerstand der Hessen gebrochen zu sein, denn die Partie verflachte danach zusehens. Nürnberg tat nicht mehr als nötig, den Vorsprung zu halten und Rüsselsheim legte auch nicht mehr die letzte Konsequenz in seine Aktionen - stand am Sonntag doch noch die wichtige Partie Rüsselsheims gegen Rheydt auf dem Programm. Die Hessen hatten noch einmal ein kurze Drangphase als Nürnberg wegen zwei Gelber Karten vorübergehend zahlenmäßig geschwächt war, doch auch diese meisterte die Abwehr um Torwart Reuß mit Glück und Geschick. Die letzten Minuten der Partie gingen schließlich unter den Freudengesängen der fränkischen Fans zu Ende und Nürnberg, das die bessere Mannschaft auf dem Feld hatte, sicherte sich mit einer souveränen Leistung einen Spieltag vor Ende der Abstiegsrunde den Klassenerhalt und Platz Eins der Tabelle.
Nürnberger HTC: Felix Reuß (T), Christoph Brandes, Joscha Brügel, Florian Gebhard (1), Maximilian Jordan (1), Christof König, Götz Mahdi, Maximilian Müller (C), Christoph Müsgens, Alexander Schmidt, Benjamin Seibold, Tim Stulle, Christian Tausendpfund (1), Christopher Wesley, Florian Woesch (1), Frederic Wolff
Rüsselsheimer RK: Andreas Späck (T), Mirco Fuchs (C), Christian Minar, Frank Moritz, Frank Trautmann, Lorenz Klee, Christian Dohmke, Torsten Küffner, Thomas Jost, Timo Lehner, Jan Petersen, Felix Seitz, Justus Kölln, Tobias Wuttke, Konstantin Foohs, Jonas Hof
Strafecken: Rüsselsheimer RK: 4/0, N·H·T·C: 2/1 - Gelbe Karten: N·H·T·C: 2
Schiedsrichter: Daniel Neideck :|, Philipp Hövel :|

TG Frankenthal 4:3 (n.P.) Nürnberger HTC
Das letzte Spiel der Saison Saison 2009/10 gegen die TG Frankenthal war für Nürnberg ohne Bedeutung. Letztlich war es dies auch für die Gastgeber, denn einzig allein bei einem Punktgewinn des bis dahin punktlosen und bereits als Absteiger feststehenden Rheydter SV gegen Rüsselsheim hätten die Pfälzer eine Chance zum Klassenerhalt gehabt. Nachdem angeblich Spieler der Nürnberger am Vorabend noch nach 22 Uhr auf dem Frankenthaler Stohhutfest gesehen wurden und zudem einige Leistungsträger der Franken wegen Verletzung oder anstehendem Staatsexamen fehlten, war man auf das Auftreten der Mannschaft gespannt.
Mit Daniel Köhler und Paul Lehmann konnten gleich zwei Nachwuchsspieler ihr Bundesliga-Debüt feiern und Thomas Jordan trat zum zweiten Bundesligaspiel seiner noch jungen Karriere an. Und die Jungen machten ihre Sache so gut, dass man nur wenig Veränderung zum Vortag erkennen konnte. Gleich in den ersten zehn Minuten erspielte sich das Team um den heute im Mittelfeld spielenden Kapitän Müller Chancen beinahe im Minutentakt - doch ohne Torerfolg. Frankenthal hatte zu viele leichte Ballverluste und die wenigen Angriffe der Gastgeber endeten spätestens an Keeper König im Tor der Franken. Doch nach einer Auszeit wendete sich das Spiel nach einer guten Viertelstunde. Frankenthal verstärkte seine Angriffe und bei erneut hochsommerlichen Temperaturen entwickelte sich für die etwa 300 Zuschauer ein ausgeglichenes und unterhaltsames Spiel, das kurz vor dem Halbzeitpfiff die Führung der Gastgeber brachte. Trump wurde bei einem schnellen Gegenzug am linken Kreisrand freigespielt und erzielte brilliant mit einer argentischen Rückrand die 1:0 Führung Frankenthals (31').
Unmittelbar nach der Pause war es wieder Trump, der die Führung der Gastgeber auf 2:0 ausbaute. Wieder aus halblinker Position diesmal allerdings aus kurzer Distanz überwand er den jetzt im Tor stehenden Keeper Reuß der Nürnberger. Obwohl Frankenthal mit Beginn der zweiten Spielhälfte ein deutliches Übergewicht hatte, blieben die Gäste stets mit Kontern gefährlich und als auch zwei Strafecken dank Reuß keinen weiteren Erfolg der Gastgeber verzeichnen konnten, war es auf Nürnberger Seite Wolff, der mit einem Lupfer Keeper Peickert im Nachschuss zum 2:1 Anschlusstreffer überwinden konnte (55'). Nur zwei Minuten später war es Wesley, der den 2:2 Ausgleich erzielte.
Vielleicht hatte bis dahin auch die zwischenzeitliche 3:0 Führung Rüsselsheims die Runde in Frankenthal gemacht - von jetzt an mutete die Partie eher wie ein Trainingsspiel der beiden Teams an. Weiterhin sehr unterhaltsam für die Zuschauer - aber ohne den letzten Einsatz der Spieler. Auf Nürnberger Seite hatten Jordan und Tausendpfund die Chance, die Partie zu entscheiden - auf Frankenthaler Seite Zilg per Siebenmeter, der allerdings wieder in Keeper Reuß seinen Meister fand. So musste nach 70 Minuten wieder einmal ein Penalty-Schießen zwar die Partie, aber gottlob nicht die Abstiegsrunde entscheiden.

In der ersten Runde konnten nur Wesley für Nürnberg und Straszewski für Frankenthal verwandeln - in der zweiten Verlängerungsrunde war es dann Zilg, der die Partie dann für Frankenthal entschied.
Ein durchaus verdientes Ergebnis für ein unterhaltsames Hockeyspiel, dessen Ergebnis am Ende für den Ausgang der Abstiegsrunde ohne Belang war. Frankenthal muss Rheydt in die zweite Liga begleiten.
Nürnbergs junge Mannschaft zeigte, dass sie über vielversprechende Talente aus der eigenen Jugend verfügt und einen völlig anderen Weg als viele andere Bundesligisten gewählt hat. Sicherlich ist dies der bessere Weg für den deutschen Hockeysport und es bleibt zu hoffen, dass er sich auch einmal für den Verein lohnen wird. Die Saison 2010/11 der 1. Bundesliga wird es vielleicht schon zeigen...
Nürnberger HTC: Steffen König (T), Felix Reuß (T), Christoph Brandes, Joscha Brügel, Florian Gebhard, Maximilian Jordan, Thomas Jordan, Daniel Köhler, Paul Lehmann, Maximilian Müller (C), Alexander Schmidt, Tim Stulle, Christian Tausendpfund, Christopher Wesley (1,P), Florian Woesch, Frederic Wolff (1)
TG Frankenthal: Carsten Peikert (T), Eike Bump (C), Marc Beck, Fabian Minor, Fabian Zilg (P), Alexander Larbig, Timo Schmietenknop, Christian Richter, Norman Hahl, Phillip Schlageter, David Jameson, Christian Trump (2), Nikolai Straszewski (P), Malte Bump, H. Schröder
Strafecken: TG Frankenthal: 3/0, N·H·T·C: 0 - Siebenmeter: TGF: 1/0 - Gelbe Karten: N·H·T·C: 1
Schiedsrichter: Daniel Neideck :|, Philipp Hövel :|

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